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Complemedis Quarterly 1. Ausgabe

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complemedis quarterly 1aAls eigentlicher Pionier für chinesische Arzneimittel in der Schweiz informieren wir Sie mit unserem Newsletter ab sofort regelmässig über die Vorteile unserer Produkte und Dienstleistungen sowie über unser Unternehmen. Wir bieten Ihnen darin eine geballte Ladung an Wissenswertem rund um die Themen der TCM. Bei der Lektüre wünschen wir Ihnen viel Vergnügen! [link]

 

Auszug aus dem Buch ‚Chinesische Arzneipflanzen‘ von Andreas Kalg

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Lycii chinensis Fructus

Kapitel 3.17 Gou Qi Zi – Lycii Fructus
Erhältlich beim Elsevier-Verlag

"Abb. 3.17 Gǒu Qí Zǐ  枸杞子  Lycii Fructus

-            Pharmazeutische Bezeichnung: Lycii Fructus
-            Botanischer Name: Lycium barbarum, L. chinense
-            Familie: Solanaceae (Nachtschattengewächse)
-            Deutsche Namen: Bocksdornfrucht, Bocksdornbeere
-            Deutsche Übersetzung des chinesischen Namens: „Gou-qi-Samen“
-            Beinamen: Chì bǎo 赤寶 („Roter Schatz“), Dì xiān zǐ 地仙子 („Irdischer-Unsterblicher-Samen“), Xiān rén zhàng 仙人杖 („Gehstock der Unsterblichen“), Tiān jīng 天精 („Himmelsessenz“), Gǒu jí zǐ 枸棘子 („Gou-Dornenbuschsamen“), Tián cài 甜菜 („Süßes Gemüse“), Què lǎo zǐ 卻老子 („Die-Alterung-nicht-hinnehmen-Samen“), Míng yǎn cǎo zǐ 明眼草子 („Samen des die Augen klärenden Krautes“), Míng mù zǐ 明目子 („Die Augen klärende Samen“), Yáng rǔ 羊乳 („Milch der Schafe“), Gǒu qǐ 枸杞 („Gou qi“)

Namen und Signaturen

Gou qi erhielt laut Li Shizhen seinen Namen nach seiner Ähnlichkeit mit zwei anderen Bäumen bzw. Sträuchern, welche Gou und Qi heißen. Die Dornen von Gou qi sollen denen des Gou-Baumes ähneln, während sein Stamm und seine Äste denen des Qi-Baumes ähneln. Das Schriftzeichen gou wird genau so ausgesprochen wie das Zeichen für Hund, gou 狗. Alte Legenden berichten, dass „tausendjährige Wurzeln des Bocksdornbäumchens die Form eines Hundes“ hätten. Also sei der Name von daoistischen Heilern davon abgeleitet worden.[1]

Der Bocksdorn ist ein in China sehr vielseitig verwendeter und hoch geschätzter kleiner, strauchartiger Baum. Alle seine Teile werden entweder arzneilich oder kulinarisch genutzt. Seine Früchte (Gou qi zi) werden sowohl in der Medizin als auch in der Küche als Stärkungsmittel verwendet. Aus seiner Wurzel wird die Droge Di gu pi gewonnen. Außerdem gilt das Bocksdornbäumchen als eine sehr schöne Zierpflanze. Da verwundert es nicht, dass dieser Baum und die aus ihm gewonnenen Drogen sehr viele verschiedene Beinamen haben, von denen hier nur eine Auswahl präsentiert wird.

Der Name Chi bao 赤寶 („Roter Schatz“) bezieht sich auf die rote Farbe und den unschätzbaren Wert der Früchte. Die rote Farbe ist auch die wichtigste Signatur dieser Droge, die den Bezug zum Blut offenbart. Gou qi zi nährt das Blut und somit auch das Yin und die Essenz. Der Stamm dieses Bäumchens wurde früher gern von Unsterblichkeitsadepten als Wanderstock benutzt und die Früchte und Blätter dienten ihnen als Nahrung – daher die Namen, die sich auf Unsterbliche beziehen. Außerdem implizieren jene Namen, die auf Unsterblichkeit hinweisen, auch, dass Gou qi zi das Leben zu verlängern vermag. Alterung hat nach der Theorie der Chinesischen Medizin in erster Linie mit dem Vergehen der Essenz zu tun. Die Stärkung von Blut und Essenz ist also ein Schritt in Richtung Unsterblichkeit, die zumindest zu einem längeren und gesünderen Leben führt. In diesem Sinne ist auch der Name Que lao zi 卻老子 („Die-Alterung-nicht-hinnehmen-Samen“) zu verstehen. Auf die Wirkung von Gou qi zi, die Essenz zu supplementieren, spielt auch der Name Tian jing 天精 („Himmelsessenz“) an. Neben der roten Farbe ist der süße Geschmack der Bocksdornfrüchte, welcher sich im Namen Tian cai 甜菜 („Süßes Gemüse“) widerspiegelt, das zweite wichtige Charakteristikum dieser Droge. Der süße Geschmack wirkt nährend auf alle Körpersubstanzen – und über die rote Farbe der Früchte erstreckt sich diese Wirkung vor allem auf das Blut. Eine der wichtigsten Funktionen von Gou qi ist das Nähren der Augen, wodurch bereits bestehende leichte Trübungen der Hornhaut oder Linse wieder geklärt werden können. Daher nennt man diese Früchte auch Ming yan cao zi 明眼草子 („Samen des die Augen klärenden Krautes“) oder Ming mu zi 明目子 („Die Augen klärende Samen“).

Eigenschaften und Anwendungsgebiete

Gou qi ist süß und neutral. Es tritt vor allem in die Leitbahnen von Leber und Niere ein. Manche Quellen erwähnen auch noch die Lungen-Leitbahn. Es supplementiert die Nieren-Essenz und das Leber-Blut und wird entsprechend bei Leber- und Nieren-Leere-Mustern angewandt. Dazu fallen so unterschiedliche Beschwerden wie chronischen Augenerkrankungen, Trübung der Augen, verschwommene Sicht, Verminderung der Sehkraft, grauer Star, Schwindel, Vertigo, Astigmatismus, Kopfschmerzen, Schwerhörigkeit, Taubheit, Tinnitus, Zahnausfall, Haarausfall, vorzeitiges Ergrauen, Schlaflosigkeit, traumgestörter Schlaf, chronische Lendenschmerzen, Schwäche der Beine, Impotenz, Pollutionen, Infertilität, auszehrender Durst (Diabetes), Hitzewallungen und allgemeine Entkräftung.

Die Anwendung bei Augenleiden

Gou qi ist eines der wichtigsten Augenmittel in der chinesischen Materia Medica. Es eignet sich zur Behandlung chronischer Augenerkrankungen, die entweder mit einer Trübung der Augen oder mit verminderter Sehschärfe und verschwommener Sicht oder Trockenheit der Augen einhergehen. Die Förderung der Sehkraft und die Klärung der Augen von Trübungen erfolgt hauptsächlich über die Nährung des Leber-Blutes und der Nieren-Essenz. Doch scheint Gou qi auch eine unmittelbar nährende und klärende Wirkung auf die Augen zu haben. Zumindest ist in frühen pharmakologischen Werken die lokale Anwendung von Bocksdornfruchtpresssaft als Augentropfen empfohlen worden. In seinem Werk Im Notfall Einsatzbereite Rezepturen aus dem vierten Jahrhundert schrieb Ge Hong: „Zur Behandlung von geröteten Augen und Pterygien zerstoße man [frische] Bocksdornfrüchte und gewinne den Saft daraus. Drei- bis fünfmal täglich tropfe man diesen in die Augen. Dies ist wunderbar effektiv!“ Ein anderes altertümliches Werk empfiehlt, den Presssaft von Lycii Folium (Gou qi ye), Plantaginis Herba (Che qian cao) und Mori Folium (Sang ye) in die Augen zu tropfen, um trockene Augen und Pterygien zu behandeln. Li Shizhen hatte eine Art Inhalationstherapie zur Behandlung von Augenleiden beschrieben: „Man presse das Öl [aus den Bocksdornsamen (Gou qi zi)] und verbrenne dies in einer Öllampe.“ [2]

Die Kräftigung von Sehnen und Knochen

Indem Gou qi das Leber-Blut und die Nieren-Essenz supplementiert, kräftigt es auch die diesen beiden Organen zugeordneten Sehnen und Knochen. Außerdem vertreibt es den der Leber zugeordneten pathogenen Faktor Wind, indem es das Blut nährt. Ist das Blut in Fülle, ist dem Wind die Existenzgrundlage entzogen. Mit der Supplementierung der Nieren-Essenz geht außerdem eine Verzögerung der Alterung einher. Der auf Ernährungsheilkunde spezialisierte Arzt Meng Shen schrieb: „Gou qi  festigt die Sehnen und Knochen, beugt der Alterung vor, beseitigt Wind, behandelt Entkräftung und supplementiert die Essenz und das Qi.“ [3]

Dieses traditionelle Konzept der „Kräftigung der Sehnen und Knochen“ fand auch Bestätigung durch moderne Untersuchungen. Man hat in Studien nachweisen können, dass Gou qi zi das Skelettwachstum und das Wachstum der Zähne fördert. Außerdem soll es die Bildung des Zahnfleisches begünstigen und somit Parodontose behandeln. [3] Somit ist es auch zur prophylaktischen diätetischen Anwendung bei Kindern geeignet.

Die Anwendung als Stärkungs- und Langlebigkeitsmittel

Traditionell wurden die Bocksdornfrüchte oft auch in Form eines medizinischen Weines eingenommen. Sowohl in Werken der daoistischen Alchemie als auch in medizinischen Rezepturensammlungen wurden verschiedene Verfahren zur Herstellung eines supplementierenden Gou-qi-Weines beschrieben, dem man eine enorm kräftigende und lebensverlängernde Wirkung nachsagte. Bezüglich dieser Wirkung erzählt man sich in China auch die folgende Legende:

Während der Nördlichen Song-Dynastie begegnete ein kaiserlicher Bote auf seinem Weg durchs Reich einem etwa 16-jährigen Mädchen, das wutentbrannt mit einem Stock auf einen etwa 80 oder 90 Jahre alten Mann einschlug. Dies lief der konfuzianistischen Gesinnung des Beamten zuwider und so griff er ein, packte das Mädchen am Arm und fragte sie, was sich dort abspiele und ob ihr der Sinn für Respekt gegenüber der älteren Generation abhanden gekommen sei. Wie er zu seiner Verwunderung erfuhr, war der alte Mann der Urenkel dieser jung gebliebenen Frau. Die Frau sagte, dass sie nur deswegen so wütend sei, weil er sich stets weigere, seine Langlebigkeitsmedizin einzunehmen. Deswegen sehe er auch so alt aus wie er wirklich ist. Wie der Bote weiter erfuhr, sei diese Frau bereits 372 Jahre alt und dieses hohe Alter habe sie erreicht, weil sie jeden Tag das Langlebigkeitsmittel Gou qi zi einnehme. [5]

Auch wenn diese Geschichte maßlos übertrieben erscheint, so verfügt sie jedoch über die von vielen klassischen Autoren propagierte Kernaussage, dass Gou qi die Essenz und das Qi mehrt und somit der Alterung entgegenwirkt.

Neben der Anwendung von Gou qi in Pillen, Dekokten und Arzneiweinen wurde und wird es auch sehr häufig in der Küche verwendet. Man kocht sie entweder zusammen mit Fleisch, Markknochen, Leber oder anderen Innereien ab oder man bereitet dicke Reissuppen (zhou) mit ihnen zu. Auch Vegetarier weichen sie gern ein und geben sie dann über Tofu- oder andere Gerichte. Heutzutage findet man Gou qi zi sogar in manchen chinesischen Bio-Bäckereien anstelle von Rosinen in Vollkornbrötchen eingebacken. Ein Gericht mit Gou qi ist sogar in die chinesische Geschichte eingegangen – die Sämige Bocksdornfrucht-Silberwolkenohr-Suppe (Gou Qi Yin Er Geng):

Während der Tang-Dynastie waren die beiden Minister Fang Xuanling und Du Ruhui unermüdlich damit beschäftigt, den Kaiser Li Shimin bei der Ordnung des Reiches zu unterstützen, bis sie schließlich beinahe vor Erschöpfung zusammenbrachen. Da sie das „Herz“ über die Maßen beansprucht hatten [was wir heute als geistige Überarbeitung bezeichnen würden], litten sie an körperlicher wie geistiger Entkräftung mit Abmagerung, Schwindel und Schlaflosigkeit. Auf Empfehlung der Hofärzte aßen sie dann regelmäßig eine sämige Suppe mit Bocksdornfrüchten und weißen Morcheln (Yin er bzw. Bai mu er). Dadurch gelangten sie bald wieder in den Vollbesitz ihrer ursprünglichen Kräfte. [6]

Das genaue Rezept dieser Suppe ist leider nicht überliefert, doch ist anzunehmen, dass sie noch entweder Fleisch oder Fisch enthielt, da Suppen, die sich Geng nennen, im Allgemeinen mittels Stärke angedickte Fleisch- oder Fischsuppen sind.
Bei der Betrachtung von Gou qi als die Gesundheit und ein langes Leben förderndes Lebens- und Arzneimittel sind auch moderne Forschungsergebnisse interessant, die belegen, dass Gou qi das Immunsystem anregt und reguliert, die Blutbildung fördert, der Alterung und Schwächung wie auch Mutationen und Krebs entgegenwirkt, Blutfette, Blutzucker und den Blutdruck senkt und auch die Leber schützt. [7]

Die Behandlung von sexuellen Funktionsstörungen und Unfruchtbarkeit

Die Funktion der Bocksdornfrüchte, die Nieren-Essenz zu mehren, umfasst selbstverständlich auch die Kräftigung der Sexualfunktion und des Spermas. Die Bocksdornfrüchte ähneln praktisch kleinen roten Säckchen, die viele kleine Samen enthalten. Dies kann man durchaus als Signatur auffassen, die auf einen Tropismus zum Hoden hinweist. Die potenzsteigernde Funktion dieser Frucht ist auch schon seit Alters bekannt. Im fünften Jahrhundert riet Tao Hongjing, dass man Gou qi nicht zu sich nehmen soll, wenn man „1000 Meilen von zu Hause entfernt“ ist.[8] Damit ist gemeint, dass Gou qi die Essenz und somit den Samen zum Überlaufen auffüllt, was es dem Mann sehr schwer macht, ihn zurückzuhalten. Doch ist Gou qi nicht mit warmen, Yang stärkenden Potenzmitteln wie Cervi Parvum Cornu (Lu rong) oder Cynomorii Herba (Suo yang) zu vergleichen. Während jene Kräuter vorwiegend den Yang-Aspekt der Essenz mehren und dabei leicht das Yin schädigen können, nährt Gou qi in harmonischer Weise vorwiegend den Yin-Aspekt der Essenz, was es auch langfristig sehr gut verträglich macht. Daher wird Gou qi sehr häufig bei männlicher Infertilität, Impotenz, Pollutionen oder Spermatorrhoe verabreicht, doch genauso häufig auch bei weiblicher Infertilität. Auch moderne Untersuchungen an der TCM-Universität von Beijing bestätigen, dass Gou qi die Potenz selbst älterer Männer zu stärken vermag, die Abwehrkraft erhöht und dem Alterungsprozess entgegenwirkt. [9]

Weiterhin befeuchtet Gou qi die Lunge und behandelt konsumptive Lungenerkrankungen. Dazu schrieb Li Shizhen: „Gou qi zi reichert [das Yin] der Niere an und befeuchtet die Lunge.“ [10]

Kontraindikationen

Seine befeuchtende Qualität macht Gou qi zi für Patienten mit einer Milz-Schwäche leider relativ schwer verdaulich. Bei jenen Patienten führt die Einnahme leicht zu Blähungen und weichen Stühlen. In diesen Fällen sollte man Gou qi zum einen niedriger dosieren, zum anderen kann man es als Aufguss zubereiten anstatt es abzukochen. In Pillenform, z.B. in Qi Ju Di Huang Wan, macht es im Allgemeinen weniger Probleme als in Dekokten.



[1] Li Shizhen, S. 1225

[2] Li Shizhen, S. 1227 f.; Yu Xiaoping et al., S. 1127 bis 1130

[3] Meng Shen, S. 98 f.; Li Shizhen, S. 1226

[4] Zhu Shifeng, Band 1, S. 266

[5] Wang Huanhua et al., Band 2, S. 124

[6] Wang Huanhua et al., Band 2, S. 127; Zhu Shifeng, Band 1, S. 265

[7] Gao Xuemin: Zhong Yao Xue, S. 557

[8] Li Shizhen, S. 1227

[9] Wang Huanhua et al., Band 2, S. 126

[10] Li Shizhen, S. 1226"


Buchauthor: Andreas Kalg
Homepage: http://www.tcm-kalg.de

 

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