Dioscoreae Oppositaer Rhizoma
Dioscoreae Oppositaer Rhizoma

Dioscorea ist seit einigen Jahren nicht nur TCM-Therapeuten, sondern einem sehr viel breiteren Publikum bekannt. Den meisten dürfte es als Mittel gegen Wechseljahrbeschwerden und gegen Symptome des prämenstruellen Syndroms angeboten worden sein. Ein Mittel für Frauen also, so auf den ersten Blick.

Dabei ist in der Regel von der mexikanischen Dioscorea villosa die Rede.

Für die Wirkung verantwortlich machen Wissenschafter den Inhaltsstoff Diosgenin, einem Steroid-Sapogenin, das verwandt mit dem Progesteron ist und – so meint man auf die Schnelle und suggeriert dies auch in der Werbung – diesem ähnliche Wirkungen zeigt.

Kein Wunder, wird heute die mexikanische Dioscorea auch in China angebaut. Schliesslich wird dort alles angebaut, was Aussicht auf Profit verheisst und wahrscheinlich sind die Löhne chinesischer Landarbeiter noch tiefer als diejenigen mexikanischer. Diosgenin ist bis heute der wichtigste Ausgangsstoff zur Herstellung von Progesteron und er war es auch zu Beginn der Entwicklung der Ovulationshemmer, also der Antibabypille. Verschiedene Dioscoreaarten enthalten grössere Mengen an Diosgenin. Vergleichbare Mengen enthält interessanterweise auch ein weiteres Mittel der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), nämlich Semen Trigonellae (Hu Lu Ba), die Bockshornkleesamen, auf Englisch Fenugreek (Bockshornklee soll nicht verwechselt werden mit dem Bocksdorn, einem weiteren Mittel der TCM, nämlich dem im Vergleich zu Fenugreek in der TCM sehr viel häufiger gebrauchten Fructus Lycii (Gou Qi Zi), welches heutzutage auch in Lifestyle- und Wellnessgetränken verkauft wird und da meistens als Goji-Saft benannt ist). Es gibt noch einige weitere Quellen für Diosgenin in der Pflanzenwelt, aber im Rahmen dieser Betrachtung aus TCM-Sicht wollen wir diese hier nicht diskutieren.

Diosorea Pflanze
Diosorea Pflanze

Dioscoreaceae (Yamswurzelgewächse oder Schmerwurzgewächse) heisst eine Familie von Pflanzen, der rund 900 Arten angehören und die hauptsächlich in wärmeren Gebieten vorkommen. In Europa ist lediglich eine einzige Art, nämlich Dioscorea communis = Tamus communis = Schmerwurz anzutreffen. In der Schweiz hat sie zwar ein grosses Verbreitungsgebiet, besonders häufig anzutreffen ist sie dennoch nicht. Dioscoreaceae wachsen meistens lianenförmig.

Der Name Yams (manchmal auch Yam genannt) sorgt für einige Verwirrung, indem darunter auch Pflanzen verstanden werden, die nicht zu den Yamswurzelgewächsen gehören. So werden auch  Süsskartoffeln manchmal als Yams bezeichnet. Diese gehören aber einer ganz andern Pflanzenfamilie an, nämlich den Convolvulaceae, den Windengewächsen, von denen in der Schweiz die Zaunwinde (Calystegia sepium) als gefürchtetes Gartenunkraut bekannt ist, denn es ist kaum ausrottbar und oft bleibt nur der Griff zum Herbizid Windentod.

Süsskartoffel
Süsskartoffel

Das Windengewächs Süsskartoffel heisst Ipomoea batatas. Ipomoea dürfte einigen als Name bekannt sein. Morning glory heisst der verheissungsvolle Name einer Pflanze, die in den Sechzigerjahren als Droge vielversprechende halluzinogene Trips versprach. Ololiuqui nannten sie die Indianer Mexikos und sie enthält einen dem LSD verwandten Stoff. Diese Pflanze ist eng verwandt mit den Prunkwinden, die man bei uns gerne in der Samenhandlung kauft und sie in Gärten und Balkonen wachsen lässt. Sie wachsen schnell und bilden schöne Blüten, dem Aussehen nach denen der Zaunwinde ähnlich, aber mit schönen Farben. Süsskartoffeln als Vertreter der Windengewächse kann man aber kiloweise essen, ohne Gefahr, auf den Trip zu kommen. Es handelt sich hier um eine völlig harmlose Ipomoea-Art. Eine andere Ipomoea-Art sei auch erwähnt: Zu Deutsch Wasserspinat, lateinisch Ipomoea aquatica ist in Asiashops in der Schweiz regelmässig erhältlich und ergibt ein feines Gericht.

Taro
Taro

Eine weitere häufige Verwechslung ist die Bezeichnung von Taro als Yams. Auch Taro erhält man in Asiashops. Lateinisch heisst Taro (Colocasia antiquorum). Diese Pflanze gehört zur Familie der Araceae, also der Aronstabgewächse. Kaum verwunderlich deshalb, dass Taro richtig gekocht werden muss, denn sonst ist er leicht giftig. Die Regel, dass in der TCM ein Mittel nie allein zur Anwendung kommt, sondern immer in Kombination mit andern Pflanzen, gilt natürlich auch genau gleich in der chinesischen Küche. Man muss also wissen, womit zusammen man Taro kochen soll.

Doch nun zurück zu Dioscorea: Echte Yamswurzeln können je nach Art und Sorte viele Kilo schwer werden. In Asien wird Yams als wertvoller Stärkelieferant erachtet, aber seine Bedeutung ist heutzutage in dieser Funktion nicht hoch. Ganz anders in Afrika, wo Yams ein Grundnahrungsmittel für viele Leute ist. Yams kommt denn auch nicht nur in vielen Arten, sondern vor allem als viele hundert Sorten auf den Markt.

Die gebräuchlichsten Arten von Yams sind:

Dioscorea opposita = Dioscorea batatas (Shan Yao) und deren lokale Varianten und alternativen Arten für den medizinischen Gebrauch:

  • D. alata
  • D. persimilis
  • D. fordii

Eine häufige Verfälschung von Shan Yao ist Ipomoea batatas, also die Süsskartoffel

Eine weitere, im medizinischen Gebrauch stehende Disocoreaart ist D. hypoglauca (Huang Yao Zhi), aber deren Anwendungsbereich ist ein völlig anderer als für Shan Yao.

Als Lebensmittel gebraucht werden:

  • D. alata
  • D. rotundata
  • D. cayenensis
  • D. esculenta
  • u.a.m.
Zaunwinde
Zaunwinde

Im Sortiment von Complemedis befinden sich nicht weniger als acht klassische Formeln der TCM, welche Dioscorea (Shan Yao) enthalten. Darunter befinden sich nicht wenige der meistgebrauchten. Dies hängt ganz sicher mit dem wichtigen Inhaltsstoff Diosgenin von Dioscorea zusammen, aber die Sichtweise ist in der TCM eine viel breitere, als dass sie sich nur auf einen einzigen Inhaltsstoff beschränken würde.

Taro Knolle
Taro Knolle

Die bekannteste Formel der Dioscorea enthaltenden TCM ist Liu Wei Di Huang Wan (Rehmannia Six Combination), eine Formel, die heute häufig, aber überhaupt nicht ausschliesslich in der Gynäkologie angewandt wird. Sie behandelt das TCM-Syndrom des Leber- und Nieren-Yin-Mangels mit all seinen Ausprägungen wie Rückenschmerzen im Lendenwirbelsäulenbereicht, Nachtschweiss, Tinnitus, Diabetes. Ganz ursprünglich stammt diese Jahrhunderte alte bewährte Formel aus der Pädiatrie und behandelte Kinder mit Entwicklungsrückstand. Heutzutage gewinnt sie dort auch wieder an Terrain bei Zappelkindern, die ja bekanntlich schlecht geerdet sind, mitunter wegen eines Mangels an Yin der Leber und der Niere, was kein Wunder ist: Reizüberflutung als Ausdruck einer Yang-lastigen Umwelt und auf der Yin-Seite auch zu wenig Unterstützung: keine Zeit, keine Lust, kein Geld für eine ausgewogene Ernährung, Reduktion derselben auf schnelle Energiespender wie Kohlehydrate. TCM-Arzneimitteltherapie mag zwar mit reichlich antiquiert oder fremd erscheinenden Begriffen wie Yin und Yang und Fünf Elementen operieren, aber im Endeffekt handelt es sich dabei um handfeste und höchst potente chemische Inhaltsstoffe, Diosgenin ist davon nur einer von vielen hundert bekannten und für das Leben bedeutenden Stoffe und nur einer von tausenden, die noch gar nicht entdeckt oder beschrieben oder deren Bedeutung noch nicht recht bekannt sind. Und TCM reicht viel weiter als eine simple Nahrungsergänzung mittels einiger Vitamine und Spurenelemente, wie das die reichlich unzulängliche Sicht der westlichen Ernährungslehre sieht.