Ginseng
Ginseng

Ginseng ist ohne Zweifel die bekannteste Pflanze der TCM. Sie wurde im Westen viele Jahre vor allen andern chinesischen Heilpflanzen importiert. Dementsprechend genau wurde sie denn auch in einer Vielzahl von Untersuchungen und Studien bezüglich ihrer Wirkung und ihrer Inhaltsstoffe geprüft.

Es wird seither angenommen, dass die sog. Ginsenoside für die Wirkung zur Hauptsache verantwortlich sind. Ginseng enthält eine ganze Palette solcher Ginsenoside. Aber natürlich enthält Ginseng wie jede andere Pflanze auch noch eine Vielzahl von andern Inhaltsstoffen. Diese vermögen untereinander Wechselwirkungen zu entfalten, indem sie die Wirkung gewisser Stoffe verstärken und anderer hemmen, sodass schliesslich eine Gesamtwirkung bei der Anwendung am Menschen entsteht, die wiederum auch von dessen individueller Konstitution und weiteren Faktoren abhängig ist.

Ginseng Pflanze
Ginseng Pflanze

Klassische TCM arbeitet mit wässrigen oder alkoholischen Extrakten der ganzen Pflanze, bzw. des zur Anwendung definierten Pflanzenteils und nicht ausschliesslich mit einzelnen Inhaltsstoffen.
Klassische TCM kennt andere Qualitätskriterien als die Standardisierung auf gewisse Inhaltsstoffe. Sie schöpft aus der Beobachtung und Erfahrung und kann zum Beispiel sagen, dass eine Charge Ginseng, die von einem gewissen Ort kommt, besser ist, als eine, die von einem andern Ort stammt. Es ist wie beim Wein: der beste Burgunder, der Grand Cru kommt von einer kleinen Anbaufläche und der zweitbeste, der Premier Cru kommt von Orten in der Nähe der Grand Cru-Gebiete. Der Boden scheint also eine Rolle zu spielen und die Sonneneinstrahlung wohl auch und selbstverständlich kommt es noch auf die Witterung im Erntejahr, den Erntezeitpunkt, die Verarbeitung, die Lagerung und vieles andere drauf an und schliesslich gehört es wohl auch noch dazu, das Rénommée zu pflegen.
Genau so geschieht es auch bei den Heilpflanzen und somit auch bei Ginseng. Es gibt qualitativ gute Ware von definierten Gebieten, sog. DaoDi-Gebieten (ähnlich wie beim Grand Cru) und man darf annehmen, dass die Leute, die dort Ginseng anbauen, über besonders grosse Erfahrung verfügen, wie man nicht nur den guten Boden ausnützt, sondern auch alle weiteren Schritte der Bearbeitung so ausführt, dass schliesslich beste Qualität zur Verfügung steht. Dies bedeutet allerdings nicht, dass alle andern Böden keine gute Qualität von Ginseng hervorzubringen vermögen und dass alle andern Leute, die sich mit dem Anbau dieser Pflanze befassen, Nieten wären und von der Sache nichts verstehen. Auch hier ist es wieder wie beim Wein: Die Weinbauern im Burgund mussten schmerzlich erfahren, dass auch andere, innovative Weinbauern auf der ganzen Welt in der Lage sind, gute, ja zum Teil noch bessere Weine zu produzieren als sie. Der Verkauf an Burgunderwein stagnierte während einer gewissen Zeit oder war gar rückläufig, weil man sich zu sehr in einer unanfechtbaren Position wähnte.
Bis heute haben wir wenig Möglichkeiten, alle Schritte zu überprüfen, die zu einem guten Produkt führen. Das Bedürfnis, Qualität anderswie zu messen, eben zum Beispiel mittels Gehaltsbestimmungen, ist deshalb gross und am Beispiel Ginseng ist zu beobachten, dass es diesbezüglich zu Standardisierungen führte, über deren Sinn und Zweck man sich lange unterhalten könnte, um dann letztlich wohl doch nicht zu einer einhelligen Meinung zu kommen, was nun wirklich die beste Ware ist. Immerhin kann man aber doch einige interessante Beobachtungen machen (s.u.).

Wir überlassen es Ihnen zu entscheiden, welchen Ginseng Sie brauchen wollen und wir stellen Ihnen deshalb gleich mehrere Produkte zur Auswahl:
Sie erhalten bei uns 3 Qualitäten von Ginseng, nämlich:

  1. Weisser Ginseng als Extrakt (5090) oder als Rohdroge (D1760)
  2. Roter (=gekochter) Ginseng als Extrakt (5091) oder als Rohdroge (D1765)
  3. Weisser Ginseng pulverisiert als reine gemahlene Rohdroge (ohne Stärke) mit hohem Ginsenosidgehalt (vormals Euro-Ginseng) (5089)

China produziert 70-85% der Weltproduktion an Ginseng, nämlich 6000 – 8000 Tonnen jährlich. Der Rest der Weltproduktion stammt hauptsächlich aus Korea, weniger auch aus Sibirien und Japan. Andere Länder (z.Bsp. Deutschland, Schweiz) probieren den Anbau neuerdings auch.
Qualitativ genügen nur etwa 20-30% der ganzen Ernte. Der Rest weist zu hohe Pestizidwerte auf. Ginseng wächst sehr langsam und kann erst nach mehreren Jahren geerntet werden. Pestizide werden deshalb zum Schutz vor Ernteausfall eingesetzt. Unser Lieferant für Extrakte, die Firma SunTen aus Taiwan evaluierte viele Ginsengfarmen, bevor sie einen Vertrag mit einem Produzenten in der Provinz Jilin einging. Produktion und Ernte werden vom Abnehmer regelmässig überwacht.
Ginseng wächst bevorzugt auf Erde von Mischwäldern. Licht, Sauerstoff, Kohlendioxid, Feuchtigkeit und Temperatur sind wichtige Faktoren, die in einem gut austarierten Verhältnis zueinander stehen müssen, damit Ginseng gut wächst. Die Pflanzen können erst nach etwa 6 Jahren geerntet werden. Sie laugen die Böden derart aus, dass danach mit diversen Kulturen (Soja, Randen/Rüben, Mischwald etc.) die Böden wieder regeneriert werden müssen. Der Rotationszyklus für Ginseng beträgt 20-30 Jahre.

Wirkung und Indikationen von weissem und rotem Ginseng:

HPLC-Radargraph von weissem Ginseng
HPLC-Radargraph von weissem Ginseng

Laborchemisch können in Ginseng die Ginsenoside als wichtige Inhaltsstoffe bestimmt werden.
Es werden anhand ihrer molekularen Struktur zwei Kategorien von Ginsenosiden unterschieden, nämlich A und B. In der Kategorie C fungiert eine Oleanolsäure.

Typ A, oder Rb1-Gruppe genannt, umfasst Ginsenoside, bzw. Malonylginsenoside Ra1, Ra2, Rb1, Rb2, Rb3, Rc, Rd, F2, mRb1, mRb2, mRBc.

Typ B, oder Rg1-Gruppe genannt, beinhaltet Re, Rf, Rg1, Rg2, F1, F3, Rh1.

Typ C ist eine Oleanolsäure, Ro.

Die Rb1-Gruppe hat das Basismolekül Protopanaxadiol, die Rg1-Gruppe dagegen Protopanaxatriol. Die beiden Moleküle unterscheiden sich nur an einer winzigen Stelle:

Man weiss, dass Typ A Ginsenoside die Hämolyse unterdrücken und das ZNS beruhigen.
Typ B und C wirken hämolytisch und aktivieren das ZNS.
Somit besteht eine duale regulatorische Funktion.

Während weisser Ginseng die Ginsenoside aller Kategorien, also A, B und C enthält, fehlen nach dem Kochprozess beim roten Ginseng die Malonylginsenoside der Kategorie A.
Trägt man die Messung der Ginsenoside mittels HPLC-Methode als Radargrafik auf, so stellen sich die Bilder für weissen und roten Ginseng folgendermassen dar:

Ganz deutlich ist hier also zu sehen, dass beim gekochten, also beim roten Ginseng das Spektrum an Ginsenosiden zwischen 9“ und 1“ fehlt.
Dementsprechend sind die klinischen Wirkungen unterschiedlich:

Weisser Ginseng

Ungekochter weisser Ginseng hat die Qualität, das Qi aller fünf Organe zu mehren und das Yin zu nähren, zudem ist er in der Lage, Blutungen zu stoppen.

Roter Ginseng

HPLC-Radargraph von rotem Ginseng
HPLC-Radargraph von rotem Ginseng

Der im Dampf gekochte rote Ginseng ist in seiner Natur wärmer als der weisse und seine Wirkung besteht in einer Stärkung des Qi und des Yang. Sein Yin-Aspekt ist durch das Kochen aufgehoben, weil die dafür verantwortlichen Substanzen (s.o.) durch das Kochen zerstört sind.

Es kann somit passieren, dass bei falscher Anwendung in diesem Fall Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Palpitationen und hoher Blutdruck auftreten können.

Die Pharmaindustrie wollte sich damals Ginseng zunutze machen und es als Tonikum für ältere Menschen anpreisen. Der Versuch wurde aber abgebrochen, nachdem es allzu oft zu den unter rotem Ginseng beschriebenen Nebenwirkungen kam. Offenbar begriff die westliche Pharmaindustrie die Pflanze nicht in ihrer komplexen gegenseitigen Beeinflussung der Inhaltsstoffe. Möglicherweise handelte die Industrie lediglich nach dem Prinzip: je mehr desto besser und versuchte, möglichst hohe Konzentrationen an Ginsenosiden hinzukriegen. Jedenfalls wendete sich die westliche Pharmindustrie wieder von Ginseng ab und versuchte es mit Pflanzen, die weniger Nebenwirkungen zu haben schienen, zum Beispiel dann mit Ginkgo.

Interessant ist auch die Beobachtung, dass als gute Qualität eine dicke, starke Hauptwurzel ohne viele Nebenwürzelchen gilt. Aber die Nebenwürzelchen enthalten viel mehr Ginsenoside als die Hauptwurzel. Dies deshalb, weil sich die Ginsenoside hauptsächlich in der Rinde und im Rindenparenchym befinden. Der Anteil an diesen beiden Strukturen ist natürlich unter Einbezug der Nebenwürzelchen grösser. Zudem überwiegt in der Rinde das Rb1-Ginsenosid im Vergleich zu Rg1. Dies mag die klinische Wirkung beträchtlich zu beeinflussen. Im Labor kann man also messen, welche Wurzelanteile für eine gemahlene oder extrahierte Charge verwendet wurden. Das Rg1/Rb1-Verhältnis zeigt es.

Selbstverständlich erhalten Sie bei uns auch alle näheren Verwandten von Ginseng aus der Familie der Araliaceae, der Araliengewächse, nämlich:

  • Xi Yang Shen (Radix Panacis quinquefolii) (5092 Extrakt / D2290 Rohdroge)
  • San Qi (Radix Notoginseng = Pseudoginseng) (5260 Extrakt / D1800 Rohdroge)
  • Ci Wu Jia (Radix et Rhizoma Eleutherococci senticosi = Acanthopanacis senticosi) (6550 Extrakt / D 5140 Rohdroge)
  • Ci Wu Jia Ye (Eleutherococci senticosi = Acanthopanacis senticosi, Folium) als Rohdroge D5130
  • Wu Jia Pi (Radicis cortex Acanthopanacis) (5390 Extrakt / D2210 Rohdroge)
  • Tong Cao (Medulla Tetrapanacis) (7870 Extrakt / D2980 Rohdroge)

Severin Bühlmann