Cordyceps sinensis– Yartsa Gunbu – Dong Chong Xia Cao

Sushilgyawali
Sushilgyawali

Cordyceps ist eines der teuersten Arzneimittel der TCM. Selbst in China wird das Mittel teuer gehandelt. Cordyceps ist ein Pilz, der gewisse Raupen befällt und auf und in deren Körper wächst. Er wächst nur in grössten Höhen im Tibetsischen Hochland und im daran angrenzenden Himalaya. In mühseliger Art rutschen die Sammler auf den Knien über die Wiesen und suchen die aus dem Boden ragenden, winzigen und unscheinbaren Fruchtkoerper des Keulenpilzes. Die Raupe selbst ruht unter der Erdoberfläche. Um ein Kilo Cordyceps zu sammeln, braucht es eine halbe Armee Leute und viel Zeit. Ein einzelner Sammler findet durchschnittlich 10 Cordyceps pro Tag. Ein hoher Preis ist daher gerechtfertigt. Im Grunde genommen ist er aber immer noch viel zu tief.

Cordyceps – ein eigentlich unbezahlbares Mittel!

Es gibt verschiedene Cordycepsarten und sie wachsen auf verschiedenen Insekten. Sie voneinander zu unterscheiden, bedarf es grosser Spezialisten. Da die Nachfrage sehr viel grösser ist als das Angebot, liegt es nahe, dass auch Verfälschungen zirkulieren. Die gröbste sah ich einmal auf einem Markt in Guangzhou (Kanton). Da wurden perfekt aus Holz geschnitzte Cordycepsimitationen angeboten, Pilz und Raupe in einem Stück. Man kann daraus ableiten, wie wertvoll Cordyceps ist, braucht es doch nicht wenig Zeit, eine solche Raupe mit Pilz aus Holz zu schnitzen, nicht eingerechnet die Zeit, die ein luscher Händler damit verbringen muss, zu warten bis er diese Imitate an Dumme verhökern kann. 

Es brauchte Zeit, bis das Knowhow bei Complemedis bzw. bei Phytax vorhanden war, die Qualität von Cordyceps feststellen zu können. Bei teuren oder heiklen Produkten blockt man in China schnell ab und ist mit der Herausgabe von Informationen äusserst zurückhaltend. Nach wie vor zieht man es vor, das schnelle Geld zu machen. Eine langfristige Einkommenssicherung durch eine gesunde Geschäftspolitik, zu der qualitativ gute und entsprechend analysierte Ware und eine offene Informationspolitik gehören, ist vielen Akteuren im Kräuterhandel in China noch immer fremd. Doch wir haben über die Jahre nicht locker gelassen und die Mosaiksteinchen zusammengetragen. Jetzt liegen sämtliche Abklärungsresultate vor, die es uns nun erlauben, Aussagen über dieses Produkt in einer Art und Weise zu machen, wie das wohl noch niemand im Westen vermochte. 

Complemedis AG kaufte Cordyceps bei verschiedenen Lieferanten ein und gab die Proben der Firma Phytax zur Analyse.

Cordyceps
Cordyceps

Complemedis AG kaufte in der Vergangenheit ein Produkt ein, das mehreretausend Franken pro Kilo kostete und verkaufte dieses mit einem geringen Aufpreis. Eine vernünftige Marge war damit nicht zu erzielen, denn wer hätte das Produkt dann noch kaufen wollen. Allerdings bestand immer ein Rest Unsicherheit, ob die gelieferten Zertifikate und die bis anhin gemachten Laboranalysen vollständig stimmig waren. Da es sich aber offensichtlich um eine Cordycepsart zu handeln schien, galt das Interesse zunächst einer vertieften Literaturrecherche zu Cordyceps. Liegen klinische und andere Studien vor, welche klar aussagen, ob allein Cordyceps sinensis die bekannten bzw. erwarteten Wirkungen dieses Arzneimittels hervorrufen oder gibt es Beobachtungen, wonach auch andere Cordycepsarten diese erzielen? Die Recherche schloss in einer ersten Phase mit nicht eindeutigen Ergebnissen ab. Aus den vorliegenden Resultaten konnte geschlossen, werden, dass auch andere Cordycepsarten zumindest einen Teil der an das Produkt Cordyceps sinensis gebundenen Wirkungen erzielten. Inzwischen war es gelungen, die Lieferungen weiterer Anbieter genauer zu untersuchen. Dem Team von Phytax waren gewisse mikroskopische Strukturen aufgefallen, die vermuten liessen, dass man es bei einigen Produkten mit Zellkulturen von Cordyceps zu tun haben musste. Die Vermutung war aufgekommen, weil uns gewisse Produkte zu einem deutlich günstigeren Preis angeboten wurden. Diese Resultate veranlassten uns dann, umfangreiche weitere Analysen durchzuführen. Dabei wurde entdeckt, dass die günstigen Produkte nicht von Cordyceps sinensis stammten.

Weitere Recherchen führten zu Produzenten, welche tatsächlich darauf spezialisiert waren, Zellkulturen von Cordyceps zu züchten. Wir stellten zudem fest, dass dies nach verschiedenen Methoden geschah. Einige Produzenten beschränkten sich auf die Züchtung des Pilzes in einer - etwas einfach ausgedrückt - niedrigen Vegetationsform. Andere wiederum verkauften Material, das von den Produzenten in Zellkultur bis zur Sporenbildung angeregt werden konnte. Die nächste Diskussion drehte sich also darum, welches Produkt eher die geforderten Wirkungen erfüllt. Traditionell schätzen Tibeter vor allem die vollständig vom Pilzmyzel durchwachsene Raube als gute Qualität ein. Dies bedeutet, dass der sporenbildende Fruchtkörper nicht entscheidend für die gute Wirkung des Pilzes verantwortlich zu sein scheint.

Eine weitere Erkenntnis brachten unsere Recherchen: Zellkulturen aus dem echten Cordyceps sinensis gibt es bis dato kaum, denn dieser lässt sich schlecht züchten, die Kulturen wachsen nur sehr langsam, was kommerziell nicht rentiert.

Cordyceps
Cordyceps

Westliche TCM-Therapeuten fordern von uns verständlicherweise immer möglichst gute Qualität. Complemedis AG sollte den Spagat zwischen dieser Forderung und dem Machbaren machen und schliesslich noch dem Sinnvollen Raum geben. Es müssen dann jeweils Entscheidungen gefällt werden, die nur in der Diskussion mit den Therapeuten stattfinden können. Und schliesslich gilt es auf die Patienten Rücksicht zu nehmen, denn die müssen das Ganze ja bezahlen. Da spielt dann noch eine weitere Dimension in die Diskussion hinein: Sowohl die Verschreiber von TCM-Arzneimitteln, als auch die Patienten erwarten von diesen eine gute Wirkung. Und je teurer ein Mittel ist, umso mehr stellt man die Forderung nach der Alles oder Nichts-Regel. Wer viel bezahlt, will einen hundertprozentigen Behandlungserfolg sehen. Doch wann weiss man schon in jedem Fall, ob die erwartete Wirkung eingetreten ist? Wie steht es mit der immunstimulierenden und den andern Eigenschaften von Cordyceps? Wie lassen sich diese messen? Und wer sagt, dass die gewünschte Wirkung nicht auch ohne Cordyceps eingetreten wäre? Und hätte sie nicht auch mit einem weit günstigeren Produkt, von dem auch eine solche Wirkung beschrieben ist, erzielt werden können? Man sieht das Dilemma. Ein hoher Preis ist nur dann zu rechtfertigen, wenn auf keine andere Art und Weise ein krankhafter Zustand behoben werden kann, der entweder lebensbedrohlich war oder zumindest einen so grossen Leidensdruck schaffte, dass man dafür jeden Preis zu zahlen gewillt ist. Solche Situationen dürften im Praxisalltag eher die Ausnahme sein und es braucht dann auch noch die versierte Therapieperson, die sich absolut sicher ist, dass das entsprechende sehr teure Mittel das allein nur schafft, was man beabsichtigt hat.

Nach diesen Ausführungen verstehen nun sicher alle den Schluss, den man bei Complemedis AG zog und der darin besteht, dass ein Produkt aus Zellkultur zu einem sensationell tiefen Preis angeboten wird, welches aber nichtsdestotrotz nach einer sorgfältigen Auswertung aller Informationen mit grosser Wahrscheinlichkeit die therapeutischen Absichten zu erfüllen in der Lage ist.

Ob aus ökologischen Gründen darauf verzichtet werden soll, den echten Cordyceps sinensis zu verkaufen, wie er in der freien Natur gewachsen ist, ist derzeit eine viel diskutierte Frage. Die Sammelmengen haben in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen. Wann diese zu hoch ist und sich die Bestände wegen der Sammeltätigkeit oder aus den daraus folgenden Sekundärschäden einmal nicht mehr erholen werden, ist momentan noch schwer abzuschätzen. Niemand weiss bis heute genau, wann das auf Eingriffe besonders empfindliche Höhenklima durch Kollateralschäden (Tibeter und andere Sammler kaufen sich mit dem verdienten Geld jetzt Motorräder und bauen ganze Zeltdörfer in den Sammelgebieten auf und hinterlassen am Ende oft ziemlich Unrat, denn die vielen Tausend Sammler müssen ja auch verpflegt werden, was wiederum den Brennmaterialvorrat aus der Region stark strapaziert. Obwohl die regionale Bevölkerung durch die Wildsammlung von Cordyceps direkt viel Geld verdienen kann, ist noch nicht garantiert, dass mit diesem Geld nur Positives für die Natur des Tibet getan wird und wer die weiteren Gewinne aus dem Handel bezieht, bedürfte auch noch einer genaueren Betrachtung.

Complemedis kann dank der ausgedehnten Analytik noch mit einem weiteren Pluspunkt aufwarten: Bekanntlich neigen clevere Lieferanten von teuren Produkten gerne dazu, ihre Ware zu panschen. Sie verkaufen Material, das nur wenig Extrakt, dafür umso mehr Stärke enthält. Complemedis kann aber dafür garantieren, dass ein Produkt von hohem Wirkstoffgehalt vorliegt.

Zu guter Letzt sei darauf hingewiesen, dass uns kein Granulatlieferant aus Taiwan bekannt ist, der die echte Art Cordyceps sinensis verwendet und dass auch alle Anbieter in der Schweiz, die wir geprüft haben, keinen echten Cordyceps als Granulat, bzw. in gemahlener Form verkaufen. Inwieweit sie echten Cordyceps in anderer Form verkaufen, bleibe dahingestellt.

Cordyceps
Cordyceps

Einem vor einiger Zeit erschienenen Zeitungsartikel ist die Information zu entnehmen, dass im Jahre 1996 Tibeter für ein Kilo Yartsa Gunbu, wie der Cordycepspilz auf tibetisch heisst, Fr. 200.- erhielten, im Jahre 2006 dagegen bereits Fr. 5200.- und dass sich dieser Preis im internationalen Handel verzehnfacht. Daniel Winkler (www.danielwinkler.com) berichtet 2008, dass ein Kilo Cordyceps beim Sammler bereits US$ 7500 kostete. Die Preise stiegen in den letzten Jahren jährlich mehr als 10%. Ein Cordyceps wiegt 0,2 – 0,5g. Ein Kilo Cordyceps enthält etwa 1800 grosse bis 3600 kleinere Exemplare. Die jährliche Sammelmenge beträgt derzeit circa 50 Tonnen in Tibet. Das ländliche Tibet erwirtschaftet mit Cordyceps damit 40% seines Einkommens, nämlich jährlich 225 Mio US$. In gewissen Distrikten leben ländliche tibetische Familien sogar zu 70-90% vom Sammeln des Pilzes. Ein einziger Pilz bringt mehr Geld als ein halber Tag Arbeit im Strassenbau. 10 Pilze, also die durchschnittliche Sammelmenge pro Person und Tag bringen also einen Wochenlohn eines ungelernten Bauarbeiters in Tibet. Letzte Meldung: Frau Kind, die uns Fotos zum Beitrag geliefert hat, berichtet, dass im Jahre 2008 in Tibet vor Ort ein einzelner Cordyceps US$ 5.- kostete. Allerletzte Meldung, der Pilzpreis ist nach dem chinesischen Börseneinbruch um 30% zurückgegangen, Das klingt dramatischer als es ist, da der Preis des Pilzes auf das Preisniveau von 2006 sank.

Nach obigen Ausführungen kann schnell einmal abgeleitet werden, dass auch ein Pulver- oder Granulatprodukt, das hier in der Schweiz bei einem Anbieter weniger als Fr. 50.- pro Gramm (!) kostet, kein echter Cordyceps sinensis aus Wildsammlung sein kann, denn bei Preisen von Fr. 80.- bis 700.- für 100 g geht die Rechnung ja überhaupt nicht auf. Falls aber einmal tatsächlich ein Pulver oder Granulat von echtem Cordyceps bei einem Anbieter im Verkauf stehen sollte, wäre das Produkt wohl gepanscht, beispielsweise im Verhältnis 100:1 mit Stärke versetzt.

Frau Kind engagiert sich bei www.tapriza.org. Zudem sei der Filmemacher Eric Valli www.ericvalli.org daran, einen Dokumentarfilm zu Cordyceps zu drehen. Schliesslich sei auf Daniel Wrinkler (www.mushroaming.com) verwiesen, der umfangreiche Recherchen zu Cordyceps machte. Frau Marion Täsch Furger reichte mir verdankenswerterweise seinen Link. Sie selbst hat eine ausgezeichnete Arbeit zu Cordyceps verfasst. Die Lektüre derselben sei allen Lesern dieses Artikels empfohlen. Ich danke all diesen Leuten für Ihre Arbeit und bitte die Leser dieses Artikels, ihre Aktivitäten zu unterstützen.

…Bis in die Tagespresse hat es der ‚Wunderwurm’ Cordyceps gebracht. pdfZeitungsartikel 219.70 16/02/2009

pdfProjektstudie Cordyceps von Marion Täsch Furger.pdf4.71 MB